WALDSIEDLUNG - (asl). Der Naturschutz hat in Altenstadt großen Stellenwert. Fünf Naturschutzgruppen engagieren sich in der Großgemeinde für die Umwelt. Die Flächen, auf denen Flora und Fauna sich ungehindert entwickeln können, werden auch in Altenstadt weniger. Der Kreis-Anzeiger sprach darüber mit Johann Wilhelm, Vorsitzender des 136 Mitglieder zählenden Naturschutzrings Waldsiedlung. Wilhelm, inzwischen 75 Jahre alt, steht dem Verein seit dessen Gründung 1984 vor. Er würde die Verantwortung gerne abgeben in jüngere Hände, aber die Suche nach einem Nachfolger ist schwer.

Weshalb wurde der Naturschutzring Waldsiedlung gegründet?


Die Waldsiedlung ist einerseits Lebens- und Erholungsraum für Menschen, Pflanzen und Tiere. Auf der anderen Seite ist sie Gewerbestandort und bietet den Menschen Arbeit. Innerhalb dieser Wechselbeziehung, in der beide Seiten ihre Berechtigung haben, musste der Naturschutz seinen Platz finden. Im Laufe der Jahre musste immer mehr Natur der Bebauung weichen. Umwelt- und Naturschutz waren für mich als ehemaliger Pfadfinder schon immer wichtig. Ich wollte deshalb etwas unternehmen und suchte Gleichgesinnte. Das mündete in die Gründung des Naturschutzrings.

Welche Ziele steckte sich der Verein?

Uns war es wichtig, die Waldsiedlung und die angrenzenden Gebiete der Gemarkung Oberau als Lebens- und Erholungsraum für Flora und Fauna für uns und die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Ist das in den vergangenen 33 Jahren gelungen?

Bis jetzt schon. Das älteste von uns betreute Biotop ist der Geschützte Landschaftsbestandteil Lichter Platz und Heegkopf, der seit 1988 unter Schutz steht. Die Gelbbauchunke, verschiedene Orchideenarten, Libellen, Heuschrecken, Schmetterlinge machen dieses Gebiet zu einem der wertvollsten in der Waldsiedlung. Gehölze, Wiesen und Kleingewässer sorgen für Biodiversität. Eine der großen Eichen ist sogar als Naturdenkmal ausgewiesen.

Welche Flächen wurden noch entwickelt?

Das Landschaftsschutzgebiet Nidderaue, von dem wir die Nachtweide und Leonhardswiese betreuen. Das Gebiet ist seit 1990 geschützt. Es dient vielen Vögeln als Brut- und Rastplatz. Um die Verbindung zwischen Wald, GLB und Nidderaue zu gewährleisten, sicherten wir uns zudem die dazwischen liegenden Flächen als Feldholzinsel, pflanzten heimische Baum- und Straucharten und errichteten Steinriegel für Reptilien und Amphibien. Aus einem Schuttplatz wurde somit ein Biotop. Unter unserer ständigen Beobachtung steht außerdem das Regenüberlaufwerk im Wald, damit die Schmutzfracht nicht in Feld, Wald und Nidder geleitet wird.

Das klingt nach viel Arbeit.

Ja, das ging und geht nur mit einem aktiven Vorstand und vielen ebenso engagierten Mitgliedern. Zu nennen ist auch die insgesamt gute Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bürgermeistern, ebenso mit den Umweltbehörden und weiteren Einrichtungen.

Gibt es Erlebnisse, an die sie sich gerne erinnern?

Zunächst einmal muss ich erzählen, dass der Verein anfangs noch belächelt wurde. Inzwischen sind die Auen EU-Vogelschutzgebiet. Aber damit ist die Arbeit nicht getan. Wir müssen regelmäßig beweisen, dass alles noch da ist. Eine unserer Aufgaben ist das regelmäßige Kartieren, Dokumentieren und Fotografieren von Fauna und Flora. Da ist es gut, dass mein Sohn Hans-Jörg Biologe ist. Er kümmert sich um die Pflanzen, Schmetterlinge und Kleinstlebewesen, ich um die Amphibien und Vögel. Alles, was in der Waldsiedlung kreucht und fleucht, ist dokumentiert. Alle Daten sind bei den zuständigen Stellen in Wiesbaden archiviert. Das ist wichtig, damit wir was in der Hand haben, wenn Baupläne erstellt werden.

Und an welches Erfolgserlebnis denken Sie gerne zurück?

Als ich den Waldwasserläufer entdeckte. Anfangs war ich unsicher, weil er so selten ist. Dann setzte ich mich tagelang ins Schilf, um ihn zu beobachten und natürlich zu fotografieren. Nach mehreren Pannen ist mir das auch geglückt. Da habe ich dann zu Hause einen Wein aufgemacht.

Sie sind seit Gründung des Vereins dessen Vorsitzender. Gibt es einen potenziellen Nachfolger?

Wir haben am 3. Februar Hauptversammlung. Wenn sich jemand zur Verfügung stellt, gebe ich das Amt gerne ab. Derzeit bilden Walter Schiffner und ich eine Doppelspitze und mein Sohn Hans-Jörg ist der stellvertretende Vorsitzende. Die Arbeit im Vorstand, darunter auch meine Frau Anna, läuft prima und wir haben uns ein bisschen verjüngt. Das macht Hoffnung, dass es weiterläuft. Trotzdem, in zwei Jahren höre ich auf. Ein Ziel habe ich bisher nicht realisieren können.

Welches denn?

Ich wünsche mir eine enge Zusammenarbeit aller Naturschutzgruppen in Altenstadt. Alle Gruppen haben bisher tolle Arbeit geleistet und viel erreicht. Da verdient jeder einzelne Wertschätzung. Aber gemeinsam können wir mehr bewirken, gerade vor dem Hintergrund, dass schützenswerter Raum bei uns immer weniger wird. Das Land um Altenstadt, der Auenverbund, ist ausgereizt. Wenn jede Gruppe allein für ihre Interessen kämpft, ist das schlecht. Wenn aber jeder vom anderen weiß, wo der Schuh drückt, lassen sich Probleme besser bewältigen. Mit Blick auf das neue Baugebiet Oberau-Süd III könnte man zusammen auf die Einhaltung von Schutzgebieten achten. Ebenso beim Thema Umgehungsstraße, auch wenn nicht feststeht, wann sie gebaut wird. Wir könnten vorausschauend als Naturschützer Konzepte erarbeiten. Schön wäre es auch, wenn wir die Jugend für den Umweltschutz begeistern könnten. Wenn wir uns nicht mehr um unsere Umwelt bemühen, dann gibt es bald nichts Schützenswertes mehr. Denn das, was vorhanden ist, ist endlich.


ZUR PERSON

Johann Wilhelm engagiert sich seit gut 60 Jahren im Umwelt- und Naturschutz. In Mainz aufgewachsen, hat ihn sein Engagement in der katholischen Kirche und bei den Pfadfindern, denen er Mitte der 1950er Jahre als Jugendlicher beigetreten ist, beeinflusst. Der gelernte KfZ-Mechaniker und technische Zeichner wollte nach der Bundeswehr Anfang der 1960er Jahre eigentlich als Entwicklungshelfer nach Brasilien gehen. Seine Mutter war wenig begeistert von der Idee und sein Pfarrer sagte ihm, das Kloster Engelthal suche einen Hausmeister. Johann Wilhelm befolgte den Rat und kam so nach Altenstadt. Im Kloster unterstützte er die Nonnen auch beim Anlegen einer naturgetreuen Bepflanzung und von Teichen sowie beim Obstanbau. Außerdem betreute er die „Kinderstube“ der Fledermausart Großes Mausohr. 1973 zog Wilhelm mit seiner Familie in die Waldsiedlung. Der Kirche und den Pfadfindern blieb er treu und organisierte in der katholischen Pfarrgemeinde St. Andreas unter anderem den Jugendclub, wurde Dekanatsjugendbetreuer und wirkte im Pfarrgemeinderat und im Liturgieausschuss mit. (asl)


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